Wie wollen wir leben?

Wir sind auf dem Weg neben dem
winterlichen Stoppelfeld mit den Kindern unterwegs. Es ist herrlich: klare
Luft, Sonne, blauer Himmel. Alles ist so lebendig.

Da entdeckt einer von uns
Tierspuren auf dem leeren, unbepflanzten Feld. Wie aufregend, zu erforschen und
zu entdecken, dass dort Rehe und Wildschweinel in der Nacht unterwegs waren.
Wir alle, große und kleine Menschen, sind fasziniert und freuen uns. Das ist
die Schule des Lebens!

Dann sehen wir von weitem ein
Auto auf dem Feld. Der Jäger, er steigt aus und ruft uns zu.

Was wir denn auf dem Feld wollen,
direkt daneben sei doch ein Weg. Wir erschrecken uns über seinen unfreundlichen
Tonfall. Fühlen uns irgendwie ertappt. Warum? Haben wir etwas Verbotenes getan?
Ist es verboten, auf der Suche zu sein nach den Spuren des Lebens? Unsere
gerufene Antwort will er gar nicht hören…

In uns ist auch Ärger, dass der
Jäger mit seinem schweren Auto auf dem Feld herum fahren darf und unsere
leichten Kinderfüße vertrieben werden. Und auch Traurigkeit darüber, dass eine
friedliche Kommunikation in diesem Moment unmöglich ist.

Eine Woche später: es ist gestern
Treibjagd gewesen. Wir sehen dutzende von gekreuzten und tiefen Autorillen auf
dem Feld. Auch Spuren des Lebens? Oder doch eher Zeugen einer Jagd auf das
Lebendige…

Manchmal fühle ich mich in diesem
Leben, in dem spielfreudige Kinder auf Stoppelfeldern für einige Menschen eine
Bedrohung darstellen auch wie eine Gejagte. Da bin ich doch wirklich mit meinem
Jäger-Latein am Ende….

Ich finde meinen Frieden wieder,
als ich zwei Tage später zwei Wildschweine über dieses Feld laufen sehe. Wild
und unbeschwert. Die machen sich zum Glück nichts aus irgendwelchen
Vorschriften.

Mein Wunsch und mein Appell an
jeden Menschen, der dies liest:

Erinnere Dich an das Kind in Dir.
Lass die Sau raus.
Ganz im Sinne der geistigen Mutter von Pippi Langstrumpf, die schreibt:
„Lebe
wild und frei und wunderbar.“

Wie willst DU leben?