Gestern Abend lag ich im Bett, um ein wenig auszuruhen.
Ich ließ meinen Atem in den Bauch hinunter gleiten.
Dort fühlte ich Angst.
Angst wovor?
Die Antwort kam sofort: vor dem Tod, vor dem Sterben.
Ich verband mich mit himmlischen Helfer-Kräften und fühlte mich sofort sicher.

“Was soll ich hier?”

Das Suchen, wovor ich Angst habe… Suchen? Kann ich den Tod suchen? Oder besser: Die Angst vor dem Tod?

Ich entschied mich, ihn zu rufen: Tod, wo bist Du? Tod, wo bist Du? Tod, wo bist Du?

Auf einmal neben mir ein lautes “BUH” und ein Lachen. Fröhlich und freundlich.

Ich wurde sofort an meine sonnige Tochter erinnert.

Der Tod, der sich ziemlich gestaltlos ausnahm und nur für mich zu hören und zu fühlen war…

Er wirkte sehr freundlich, wollte wissen, ob ich mich erschreckt habe und forderte mich gleich auf, mitzuspielen…
Und genau darum ging es dann in unserem Miteinander-Sein, in unserem Gespräch. Worum geht´s?
Um Leichtigkeit und verspielte Lebensfreude.

Er erwies sich als Lebens-Berater, was ich ziemlich lustig fand:
Der Tod berät über das Leben 😉

Seine Botschaften an mich (die in einem stillen Dialog stattfanden):
“Ich bin unausweichlich.
Ich bin das Ziel.
Der Körper wird sterben. Das ist sicher.
Sobald Du geboren wirst, strebst Du schon auf dieses Ziel, den Tod zu.
Kommst ihm mit jedem Atemzug näher.
Doch Du brauchst Dich davor nicht zu fürchten.
Denn ist ganz natürlich.
Und geht jedem so.

Du brauchst auch keine Angst haben, vor diesem letzten Atemzug, diesem letzten Ausatmen:
Stell es Dir vor wie einen Tanz mit mir.
Wir tanzen schon jetzt miteinander.
Meistens noch sehr frei und mit Abstand.
Manchmal auch schon inniger.
Und wenn Dein Körper loslässt, dann ist es nichts anderes, als dass der Tanz weitergeht, doch in einen anderen Raum hinein. Ein schlichter Wechsel von einer Ebene in die Andere.
Und ich bin dann bei Dir. Dir kann nichts geschehen. Ich steh Dir bei.
Ich umschlinge und halte Dich wie ein Liebender seine Geliebte hält.
Und flüstere Dir ins Ohr: “Ich liebe Dich.”
Wir sind uns nah und Du darfst mir vertrauen.
Es wird dann unser letzter schöner enger inniger Tanz sein.”

Als ich dem Tod davon erzählte, wie oft ich noch total verkrampft gefangen bin in diesem Gefühl, ich müsse etwas in diesem Leben erreichen, etwas besonders gut machen oder erfolgreich sein, damit ich mein Lebens-Soll auch erfülle, da wurde der Tod sehr traurig.

“Damit verspielst Du Dein Leben.
Das geht am Leben vorbei.”

Sein Rat:
“Atme, spiele mit Kinderm, lache, genieße Dein Leben. Alles. In vollen Atem-Zügen. Das Ende nicht kontrollieren wollen.”

Die Atmosphäre unseres Gesprächs war so heiter, leicht, liebevoll und beschwingt.
Es hat mir viel Angst genommen.

Ja, der Tod ist auch jetzt schon an meiner Seite. Wie ein Freund. Wir tanzen gemeinsam durchs Leben. Und es ist möglich, dass heute oder morgen oder erst in 40 Jahren der letzte Tanz getanzt sein will…

Und es geht dabei nur um eines:
Diesen Tanz in diesem Moment zu genießen als Mensch, als Seele in diesem besonderen einzigartigen Körper.
Voller Freude und Lust. An allem!

Ja. Ja. Ja.

Ich wünsche uns allen, dass wir diesen Tanz auskosten können und die liebevolle Präsenz dieses Tanzpartners und Geliebten als das empfinden, was sie ist:
freundlich, zugewandt und voller Lebens-Freude!
Der Tod ist Teil des Lebens. Sie sind nicht getrennt und auch kein Gegensatzpaar. Zwei Facetten der LIEBE, der EINEN WAHRHEIT, die sich durch uns ausdrücken…

In Liebe,
Ramona Yasin